"Brutal": Der Erlanger Bergkirchweih droht die Absage

Die Stadt Erlangen will die Entscheidung in der zweiten Hälfte im April treffen - 05.04.2020 10:58 Uhr

++ Bergkirchweih ist abgesagt ++

Kein Erlanger kann sich ernsthaft vorstellen, dass es die Bergkirchweih in diesem Jahr nicht geben wird. Wegen des aber droht eine Absage. Es wäre nicht das erste Mal. 16 Kirchweihen hat es seit 1755 schon gegeben, die wegen Krisen oder Kriegen ausgefallen oder verkürzt waren. Was eine Absage im Jahr 2020 bedeuten würde, darüber sprechen in der neuen Sonderfolge des Keller-Geflüsters Kellerwirt Christoph Gewalt, Schaustellerin Nadja Kunstmann und Musiker Harry Neubauer. Zusammen haben sie 100 Jahre Bergkirchweih-Erfahrung. (Um den Podcast zu hören, drücken Sie bitte auf den Play-Button)

Seit fünf Generationen ist die Erlanger Schaustellerfamilie Kunstmann auf der Bergkirchweih vertreten, bekannt für den Autoscooter am Riesenrad. Die 39-jährige Nadja Kunstmann ist dabei, seitdem sie auf der Welt ist. Braumeister Christoph Gewalt von Steinbachbräu bewirtet den Steinbach Keller. Für ihn wäre es der 24. Berg. Gitarrist und Sänger Harald Neubauer kommt mit seiner Band "Moskitos" seit 30 Jahren auf die Bergkirchweih. Am Abschiedsabend spielt er "Lili Marleen" am Erich Keller.

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Brezen, Bier, Dirndl: Die Bergkirchweih im Wandel der Zeit

Die Erlanger Bergkirchweih ist der Höhepunkt im Kalender der Hugenottenstadt. Seit über 250 Jahren wird an Pfingsten auf dem Festgelände am Erlanger Burgberg getrunken, gefeiert und getanzt. Wir blicken zurück in Zeiten, als Männer noch Hüte trugen und das Bier noch 6,50 Mark kostete.


Die Entscheidung einer Absage der Bergkirchweih liegt bei der Stadt Erlangen, zuständig ist Berg-Referent Konrad Beugel. Der Anstich für die zwölf Tage Ausnahmezustand ist für Donnerstag, 28. Mai 2020, geplant. Normalerweise kommen bis zu eine Million Besucher, auf dem Burgberg drängen sie sich auf den Keller und an den Schausteller-Buden. Angesichts der Corona-Pandemie aktuell kaum vorstellbar. "Wenn ich mich heute entscheiden müsste", sagt daher auch Konrad Beugel, "liegt eine Absage nahezu auf der Hand. Die Kontaktminimierung ist momentan das A und O."

Heute aber schon zu sagen, die Bergkirchweih finde "definitiv nicht statt", sei "nicht seriös zu beantworten". Die Stadt ist mit Schaustellern und Festwirten im Gespräch, wann eine Entscheidung fallen muss, damit sich alle noch vorbereiten können. "Hinzu kommt unsere Abteilung Bergkirchweih, die ebenfalls viele Aufgaben erledigen müssen", sagt der Berg-Referent. "In der zweiten Hälfte des Aprils werden wir es entscheiden." Alle wüssten aber auch: "Die Wahrscheinlichkeit", dass die Bergkirchweih stattfinden kann, "ist nicht sehr hoch."


Corona lähmt in Erlangen das Braugewerbe


Ein Ausfall würde nicht nur Schausteller und Wirte hart treffen, sondern auch die Stadt Erlangen. "Auf dem Berg treffen sich viele Menschen wieder, das geht verloren", sagt Beugel. "Außerdem hängen dran: Taxifahrer, Hotels, Einzelhändler und viele mehr. Sie würden einen Ausfall alle deutlich spüren."

Ebenfalls betroffen sich die Erlanger Nacht-Gastronomen, die zum Teil auch als Wirte auf der Bergkirchweih vertreten sind. Mit ihnen haben wir im vorhergehenden Keller-Geflüster gesprochen.

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