Berg-Ärger: Männer zahlen 50 Cent für Toilette

Viel Ärger rund um die Pissoirs an der großen WC-Anlage an der Bergstraße - 09.06.2019 17:05 Uhr

Das hat sich in diesem Jahr geändert: Im zentralen Klohaus muss nun auch jeder Mann 50 Cent zahlen. © Harald Sippel


An den ersten Tagen staunten die Besucher nicht schlecht: Am großen Toilettenhaus an der Bergstraße saß auch bei den Männern ein Mitarbeiter der Reinigungskräfte am Eingang und verlangte für die Benutzung der Pissoirs 50 Cent. So ist das nun an den Anlagen in der Bergstraße 25 und An den Kellern 48. Was bei den Damen seit jeher normal und akzeptiert ist, sorgte hier erst einmal für große Aufregung. Manche Männer, die mal mussten, wurden regelrecht aggressiv und pinkelten - aus Protest und weil sie nicht zahlen wollten - an den Baum gegenüber. 


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Bernd Mischke hat die Brisanz des Themas überrascht. Er ist Chef der Firma NK Eventservice, die seit diesem Jahr alle Toilettenanlagen auf der Bergkirchweih betreibt. Seit zwölf Jahren ist er in diesem Geschäft, allerdings meistens im Norden Deutschlands im Einsatz. "Unsere Firma macht nichts anderes, als bei Großveranstaltungen Toiletten zu bewirtschaften", sagt Mischke auf Nachfrage der Erlanger Nachrichten. Die Bergkirchweih ist sein erstes Bierfest im Süden. Ein Klohaus, wie das große gelbe Haus auf der Bergkirchweih, sei für ihn "eine Ausnahme". Das, sagt Mischke, "ist wirklich gigantisch". 

"Null Toleranz gegenüber dem Bezahlen für die Pinkel-Rinne" 

Einige Toiletten-Damen hat er aus der Stamm-Mannschaft der Vorjahre übernommen, manche allerdings nicht. Andere kamen nun neu hinzu. Auch Männer, die sich nun eben um die Männer kümmern sollen. "Wir haben das mit der Stadt besprochen und durchgesetzt", sagt Mischke. "Einmal gibt es den finanziellen Hintergrund. Wir haben den öffentlichen Auftrag übernommen, müssen Geld erwirtschaften. Nur mit dem Umsatz der Damen ist das schon sehr schwer."

Doch der neue WC-Betreiber hat schnell gemerkt: "Akzeptanz ist dafür keine da: Null Toleranz gegenüber dem Bezahlen für die Pinkel-Rinne. Viele werden aggressiv, drohen Schläge an." Mischke kann den Ärger verstehen, sehe aber auch den Gleichberechtigungs-Aspekt. Frauen müssten ja auch bezahlen. Hinzu komme bei den Männern der neue Service. "Ein Mann ist da, zieht immer die Fließen ab. Seife und Papier gibt es. Hochwertige Klosteine werden dort benutzt." Das müsse man eben bezahlen. 

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Dass diese Maßnahme nun zu mehr Wildpinklern führen könnte, dürfte dennoch niemanden überraschen. Hier sieht Mischke die Stadt Erlangen in der Verantwortung. Konrad Beugel, der Berg-Referent, allerdings ist von diesem Thema erst Freitagmorgen informiert worden. Für eine Bewertung sei es ihm noch zu früh. "Wir brauchen noch ein paar Tage Erfahrung, wie es läuft." Selbst habe er sich die Situation am Samstagabend angesehen. "Ich hatte es schlimmer erwartet." 

Zuständig für die Toilettenanlagen ist das Amt für Märkte und Kirchweihen der Stadt. Die Leiterin, Petra Zerrahn sagt: "Wir haben den neuen Betreiber nach dem Vergaberecht gesucht, das läuft nach dem Bieterverfahren. Ein neuer Bewerber kam dieses Jahr dazu." Der machte der Stadt das beste Angebot, "daher mussten wir ihn nehmen". Weil die Firma die Pissoirs regelmäßig reinigt, darf sie dafür Geld verlangen. "Wir kontrollieren das auch", sagt Zerrahn, "zwei- bis dreimal am Tag". Bislang sei sie zufrieden.

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Dass sich nun Männer darüber aufregen, kann sie nur zum Teil nachvollziehen. "Wir sind davon ausgegangen, dass man bereit ist, zu bezahlen, wenn dafür auch die Toiletten gereinigt werden." Wer nicht zahlen möchte, könne ja die anderen Pissoirs ohne Reinigung nutzen. Mehr Wildpinkler sind bislang auch nicht gemeldet.

Weniger Anzeigen gegen Wildpinkler als im Vorjahr

Die Zahl der Anzeigen dieser Ordnungswidrigkeit liege sogar nur "bei der Hälfte im Vergleich zum Stand zu dieser Zeit aus dem Vorjahr", sagt Zerrahn. Sechs Streifen sind unterwegs, um Wildpinkler aufzuspüren. Das ist übrigens nicht nur aus hygienischen Gründen verboten, sondern auch zum Schutz der Bäume. Urin nämlich schadet den Bäumen, wegen deren Fällung zuletzt sogar am Anstich eine Gruppe protestiert hatte.

Beschwerden gab es bezüglich des neuen WC-Betreibers zudem wegen des Personals, das teilweise schlecht oder gar kein Deutsch spricht. Hier habe die Stadt bereits mit Bernd Mischke gesprochen, er habe nun dafür gesorgt, dass an jeder Anlagen deutschsprachiges Personal eingeteilt sei, versichert Petra Zerrahn. Der Ärger rund um die Toiletten-Anlagen aber wird deshalb wohl noch lange nicht aufhören.

Rollentausch auf der Bergkirchweih: EN-Reporterin Kati Tontsch hat eine Stunde lang im großen Toilettenhaus mitgearbeitet. Zum Abspielen des Videos bitte auf den Play-Button drücken.

 

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