Stacheldraht bei Berg-Nachbarn bleibt die Ausnahme

Nicht allen gefällt das Erlanger Kirchweih-Spektakel - 10.06.2017 12:00 Uhr

Ja, auch Stacheldrahtzäune sichtet man auf dem Berg-Gelände. Die meisten Anwohner des Areals kommen mit dem Trubel aber ganz gut klar. © Foto: Harald Sippel


Früher war alles besser. Wer kennt ihn nicht, den Spruch des Vaters oder der Großmutter. Ein Evergreen, den man bei den Anwohnern der Bergkirchweih allerdings überraschend selten zu hören bekommt. Früher war alles schlimmer, heißt es dort dagegen umso häufiger. "Vor zehn bis fünfzehn Jahren hatten wir auch noch einen Bauzaun mit Stacheldraht obendrauf", sagt Raoul Baumbach, der unterhalb des Riesenrads im Schützenweg wohnt. Ein Berg-Routinier, der den ganzen Trubel seit über 40 Jahren sportlich locker nimmt. "Man merkt, dass der Berg ruhiger geworden ist. Die Jugendlichen kommen mit ihren Kästen halt nicht mehr rein", sagt Baumbach, der vor allem auch das Fahrrad-Verbot positiv zur Kenntnis nimmt: "Die wurden früher oft bei uns an den Zaun gehängt; dann musste man die Polizei informieren. Abmachen kann man die ja auch nicht so ohne Weiteres. Das war dann halt immer ein Aufwand", sagt Baumbach und ergänzt: "Die Sicherheitsmaßnahmen der Stadt greifen auf jeden Fall. Die Situation ist so gut wie nie zuvor."

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Auch Anwohnerin Weber, die vorne in der Bayreuther Straße wohnt, scheint gelassen mit der Situation umzugehen: "Wir machen das ja schon seit 34 Jahren mit", sagt die ältere Dame, die auch früher mehr Probleme hatte: "Es ist heuer ruhiger geworden. Lediglich die alte Geschichte mit dem Urinieren ist noch Thema." Student Christian wohnt unten an der Bergstraße, wohl ohnehin nur vorübergehend. "Vor der Tür wurden Plastikzäune zum Schutz angebracht. Aber nicht von uns", sagt Christian, der mit der Lautstärke kein Problem hat. "Es ist eher ein leises Grummeln. Nur um 23 Uhr, wenn alle heimgehen, wird es etwas lauter. Das legt sich aber total schnell." Es hat sich also etwas getan in den letzten Jahren.


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Die "Pinkel-Polizei", die im Schützenweg und der unteren Bergstraße auf Patrouille geht, oder etwa die Anweisung der Veranstalter, dass Bands nur noch in Richtung Norden spielen sollen, nehmen auch die meisten Anwohner wohlwollend zur Kenntnis. "Das ist schon eine Entlastung für die Leute", findet natürlich auch Petra Zerrahn von der Veranstaltungsleitung. "Die meisten sehen auch unser Bemühen, sie zu schützen. Wir sind den Anwohnern aber zu großem Dank verpflichtet. Sie müssen ja trotz allem einiges mitmachen."

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Vor allem die Toilettenstationen an der Essenbacher Brücke hätten sich bewährt und "zu einer signifikanten Verbesserung geführt", sagt Mathias Schenkl, der Leiter des Ordnungs- und Straßensicherheitsamtes. "Dadurch verrichten Jugendliche ihr Geschäft nicht mehr so oft in irgendwelche Gärten", so Schenkl, bei dem in diesem Jahr persönlich noch kein Beschwerde-Anruf eingegangen ist. Lediglich am Donnerstag meldeten sich einige wegen Lärmbelästigung.



Neben Dankesbriefen von Anwohnern erhalten der verantwortliche Platz-Organisator der Stadt Erlangen, Armin Mangold, und Petra Zerrahn aber weiterhin auch Beschwerde-Mails. Ein Anwohner in der Schützenstraße etwa fühlte sich durch Gegenstände, die auf sein Gelände flogen, belästigt und drohte mit rechtlichen Schritten zur Einstellung des Betriebes des betroffenen Schaustellers. Zudem schützen manche Anwohner An den Kellern ihr Anwesen mit Stacheldrahtzaun, was auf den ersten Blick nicht gerade ungefährlich erscheint. "Der Zaun ist da schon seit 50 Jahren und es ist noch nie irgend etwas passiert", sagt Mangold. Das soll auch so bleiben. Und eine einfache und gerne genutzte Möglichkeit, dem Berg-Trubel zu entgehen, gibt es ja dann doch noch: Ab in den Urlaub. 

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