Hauptberuf Weltverbesserer
Toni All - Zeichner, Filmemacher, Philosoph - 29.05.2012 19:14 Uhr
Toni All portraitiert auf der Bergkirchweih Besucher.
© Adrian Drechsel
Wenn Toni All seinen Stand auf einem Volksfest aufbaut, dann wirkt er auf den ersten Blick wie ein ganz normaler Künstler. Mit Malblock, Staffelei und schwarzer Kohle. Mehr braucht er nicht, um die vielen Besucher, die sich von ihm portraitieren lassen, mit nur wenigen Strichen abzubilden. Schnell erfasst er die Konturen seines Modells und bringt sie mit wenigen Kohlestrichen zu Papier.
Dass er sich von seinen restlichen Kollegen abhebt, liegt zum einen an seiner außergewöhnlichen Schnelligkeit. In gerade einmal 25 Sekunden kann All ein Portrait anfertigen. Bereits zwei Weltrekorde im Schnellzeichnen hat er durch seine immense Schnelligkeit aufgestellt.
Doch eigentlich ist das Zeichnen für All nur zweitrangig, auf Volksfeste geht er, um "ab und zu auch Kontakt zu Menschen zu haben". Die meiste Zeit des Jahres verbringt er nämlich mit etwas ganz anderem: dem Verbessern der Welt. In Kurzfilmen, von denen er jährlich mehrere Dutzend dreht, prangert er Missstände auf der ganzen Welt an. Der Israelkonflikt, das exponentielle Wachstum der Weltbevölkerung und die Macht der Pharmakonzerne – all das sind Themen, die der Künstler aus Hannover in seinen Filmen verarbeitet.
Wo genau Toni All herkommt, wie alt er ist, und wie sein echter Name lautet, weiß keiner. Er findet solche Informationen ganz einfach "zu unwichtig", um sie Preis zu geben. Viel wichtiger seien doch seine Persönlichkeit und seine Kunst, sagt er mit slawischem Akzent und rauher, rauchiger Stimme. Dann steht auch schon der nächste kleine Bergkirchweihbesucher vor ihm und möchte gemalt werden. All freut sich. Kinder und "nette, schlaue Leute" malt er am liebsten.
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