Bergreferent Beugel über "seine" Bergkirchweih

"Die Zerrissenheit hat zugenommen": Über das Ringen um das Sicherheitskonzept - 11.05.2018 12:00 Uhr

Am Erich Keller kann es schon mal ganz schön eng werden.


Herr Beugel, sind Sie gerne Bergreferent?

Konrad Beugel: Der Begriff ist charmant, doch auch verharmlosend. Als hätte ich während der Bergkirchweih einfach ein paar wunderschöne Tage, mit Spaß und Humor verbunden. Doch es ist auch sehr viel Pflicht dabei. Ich bin der Veranstaltungsleiter, muss mir viele Gedanken zum Thema Sicherheit machen. Wir wollen diese Kirchweih so durchführen, dass der Besucher sie liebt und schätzt. Doch wir müssen auch die Anforderungen erfüllen, die an uns herangetragen werden. In mir gibt es da eine innere Zerrissenheit, die in den letzten Jahren doch sehr zugenommen hat.

+++ Das sind die Neuheiten auf der Bergkirchweih 2018 +++

Eine Zerrissenheit?

Bereitet sich auf spannende zwölf Tage vor: Konrad Beugel. © Foto: MichaelMüller


Die hast du im Kopf. Du ringst sehr mit dir. In der Sicherheitsrunde mit Polizei und Rettungsdienst wird mir viel gesagt, was wir tun müssten. Einmal sogar, dass wir das Gelände abriegeln müssten. Das ist das Letzte, was ich machen will. Eine Kirchweih, die ich abriegele wie Rock im Park oder ein Fußballstadion — was willst du der Veranstaltung zumuten? Doch ich muss die Hinweise der Sicherheitskräfte ja auch mitnehmen. Die Frage ist: Was musst du wirklich machen? Wann fängst du an, das Flair vielleicht zu verletzen? Das ist ein starkes innerliches Ringen. Ich als Veranstalter möchte natürlich die Veranstaltung erhalten.

Spielt auch das Persönliche eine Rolle? Sie sind dem Fest ja auch als Privatperson sehr verbunden.

Natürlich, da hängt auch sehr das Persönliche drin. Du magst diesen Berg, du willst, dass sich die Besucher hier wohlfühlen. Das genaue Abwägen, wie viel Sicherheit brauchst du, damit sich die Besucher sicher fühlen, und wann fängst du an zu überziehen. Das ist in Ihrer Redaktion doch das Gleiche.

Man kann wahrscheinlich nie alle Mitwirkenden gleichzeitig zufrieden stellen, oder?

Damit musst du leben. Es wird immer diejenigen geben, die sagen: Es ist trotzdem zu laut. Diejenigen, die sagen: Es ist zu viel Saufen. Und diejenigen, die sagen: Es passt doch alles.

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Manche wünschen sich, dass Sie den Berg wieder zu dem machen, was er mal war — ohne die ganz große Party auf den Kellern.

Kirchweihen, nicht nur unsere, haben sich auch zu so einer Party entwickelt. Natürlich spielt die Musik da eine erhebliche Rolle. Das werde ich nicht zurückdrehen. Ich glaube auch nicht, dass es Sinn macht, es völlig zurückzudrehen. Aber natürlich merkst du: Ich bin eben nicht Rock im Park, die machen irgendwann dicht. Ich bin auch nicht das Oktoberfest, die können irgendwann die Zelte dicht machen. Ich möchte weiter offen bleiben. Dafür aber muss ich ein paar Einschnitte und Kompromisse machen. Und das ist für mich eben die Musik, die bestimmt die Stimmung schon sehr. Mit der Musik kann man auch dämpfen, damit nicht ganz so die Post abgeht.

Ist eine komplette Zugangssperre für irgendeinen Notfall denkbar?

Komplett Abriegeln? Nein, das ist im Sicherheitskonzept nicht vorgesehen. Eine Umleitung am Eingang der Bergstraße für die ankommenden Besucher ist möglich, wie wir es schon am zweiten Samstag im vergangenen Jahr gemacht haben. Doch komplett Abriegeln? Nein.

 

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