Neues Konzept: So soll die Bergkirchweih sicher werden

Stadt erhöht Personal drastisch und will den Besuchern in die Taschen schauen - 30.03.2017 18:41 Uhr

Das bereitet den Verantwortlichen die meisten Kopfschmerzen: Das Gedränge an der Einmündung der Berg- in die Straße An den Kellern (das "T") ist oft beängstigend groß, ein Durchkommen nur noch schwer möglich. © Klaus-Dieter Schreiter


Bei der Vorstellung des neuen Sicherheitskonzepts für die Kirchweih, wurde schnell deutlich, dass schon deren Vorbereitung kein Spaß ist: Nicht weniger als sieben Vertreter städtischer Sicherheitsbehörden, der Polizei, der Feuerwehr und der Rettungsdienste wurden aufgeboten, um den Umfang der neuen Sicherheitsarchitektur zu verdeutlichen.

Der Ordnungs- und Katatstrophenschutz-Referent der Stadt, Thomas Ternes, zählt ein ganzes Maßnahmenbündel auf, das den "Berg" noch sicherer machen soll, als bisher schon durch bauliche Veränderungen geschehen. So soll ein zahlenmäßig deutlich aufgestocktes Sicherheitspersonal an den Zugängen zum Festgelände "selektive", also vom Augenschein veranlasste Taschen- und Personenkontrollen durchführen, sollen betrunkene oder rabatzbereite Personen vom Festgelände fernhalten sowie das Mitführen gefährlicher Gegenstände oder gar Waffen unterbinden.

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Dass zu einer mitgebrachten Brotzeit ein entsprechendes Messer gehört ist nach Ternes Aussage kein Grund, misstrauisch zu werden – allerdings werde man sich im Zweifelsfalls die Art des Messers genau ansehen. Auch eine mitgebrachte Brotzeit zu einer entsprechenden Tageszeit könnte hilfreich sein, ist Referent Konrad Beugel überzeugt. Über die Details – wie viel mehr Personal, wie hoch sind die Mehrkosten für den Veranstalter – wollten die Verantwortlichen allerdings nichts sagen.

Kontrollen sind vermeidbar

Um den lästigen Kontrollen zu entgehen empfehlen Ternes und sein Ordnungsamtsleiter Mathias Schenkl den Besuchern, nach Möglichkeit großvolumige Taschen, Rucksäcke oder Körbe zu Hause zu lassen – ein allgemeines Taschen- oder Rucksackverbot wollen sie aber nicht aussprechen. Den Ratschlägen Folge zu leisten empfiehlt sich wahrscheinlich auch schon deswegen, weil alle konfiszierten Gegenstände nicht etwa verwahrt, sondern "entsorgt" werden – die Umkehr wäre noch eine Alternative zum Verlust.

Zu den Sicherheitsmaßnahmen gehört auch weiterhin, den zentralen Zugang zum Kirchweihgelände ebenso zu sperren wie am Martin-Luther-Platz den meisten Verkehr bereits "auszusieben". Dass andernorts Plätze und Märkte durch als Waffen genutzte Fahrzeuge zur tödlichen Falle wurden, ist auch der Erlanger Polizei bekannt – sie feilt an einem Präventivkonzept.

Auf dem Kirchweihgelände selbst wird es bei den bewährten Maßnahmen bleiben. So bleibt die Möglichkeit, das berüchtige "T" am Ende der Bergstraße zu entlasten, weiter erhalten – allerdings habe hier auch die neue Treppe im Westteil des Kellergeländes Entlastung geschaffen, sagt Beugel. Und falls es einmal "dicke" kommen sollte, habe man sich überlegt, den Besucherstrom in einer Art Kreisverkehr erst nach Westen und rückwärts über die neue Treppe zurück nach Osten laufen zu lassen – die "Verkehrsführung" müssten dann Ordnungskräfte übernehmen.

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Gut gerüstet sieht sich auch die Polizei, die laut Polizeidirektor Peter Kreisel wieder zusätzliches Personal von der Direktion in Nürnberg sowie von der Bereitschaftspolizei angefordert hat. Und zudem mit Zivilfahndern Taschendieben hinterher ist. Ebenfalls im Blick haben die Beamten den Wiesengrund, wo in den letzten Jahren zunehmend die sogenannten Kastenläufe – also "vorglühende" Jugendliche mit Bierkästen – zu Konflikten mit Radfahrern führten, zudem aber auch bereits Betrunkene an den Bergkontrollen scheitern sollten.

Feuerwehr: Wege frei halten!

Die Feuerwehr und die Rettungsdienste sorgen sich mit ihren sechs Löschdepots und zwei Wachen weniger um die eigene Schlagkraft als vielmehr darum, dass Rettungswege frei bleiben – "die sind für uns die Angriffswege im Ernstfall". Gleiches gilt auch für BRK und ASB, die mit insgesamt drei Wachen am Berg sowie einem Notarzt Wache schieben. Und die sich über verbesserte Ortsangaben im Kirchweihgelände freuen.

Apropos Ernstfall: Der soll in diesem Jahr mit einem Probealarm am ersten Bergabend um 20 Uhr geübt werden. Da wollen die Berg-Verantwortlichen sehen, ob sich das neue Alarmierungskonzept bewährt. Gab es bisher zwei große (und sehr laute) Sirenen, wird es ab diesem Jahr insgesamt sechs Sirenenstandorte geben – mit leiseren Sirenen, aber besser hörbar. Und die Durchsagen sollen besser verständlich werden. Beugels einzige Sorge: "Hoffentlich merken die Leute rechtzeitig, dass es sich um einen Probealarm handelt.

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