Bergkirchweih in Erlangen: Apollo 13 musste stoppen

Abgebrochene Schrauben zwangen am Sonntag das Fahrgeschäft zur Landung - 24.05.2018 15:00 Uhr

Mit Rekordbeschleunigung wirbelt Apollo 13 die Fahrgäste durch die Luft. Am Sonntag Nachmittag stand das Fahrgeschäft jedoch still. © Harald Sippel


Beworben wird die Apollo 13 vom Eigentümer, der in München ansässigen Firma Dieter Küchenmeister, als "der erste und einzige voll thematisierte Giant Booster der Welt". Es weist der Webseite der Firma zufolge einige beachtliche Daten auf: Wer hier mitfährt, wagt sich in eine Höhe von 55 Metern, lässt sich bis zu 120 Kilometern/Stunde beschleunigen, und zwar in Spitzengeschwindigkeit – wie bei einem Raketenstart. "Sehr schnelle und dennoch angenehm sanfte Fahrt dank Spitzentechnologie – konstruiert nach der neuesten Baurechtsnorm und den neuesten Sicherheitsbestimmungen DIN EN 13814", heißt es auf der Homepage der Firma weiter.

Noch bevor er abheben konnte, erlebte am Sonntag Nachmittag ein Bergkirchweihbesucher dann allerdings erst mal ganz persönlich das Scheitern der Raumfahrtmission von Apollo 13. Denn genau in dem Augenblick, als er in die "Raumkapsel" einsteigen wollte, schlug einen Meter neben ihm eine knapp zehn Zentimeter lange, abgescherte Schraube auf dem Boden auf. Sie kam aus halber Höhe des Fahrgeschäfts, von dort, wo die andere Raumkapsel über ihm in der Luft schwebte.

Der Betreiber des Fahrgeschäftes reagierte sofort auf diesen Vorfall. Einsteigen durfte nun niemand mehr, mit einer Leerfahrt wurden die Fahrgäste aus der Luft herab befördert. Sobald sich das Fahrgeschäft in Bewegung setzte, kamen weitere Metallteile herab gesaust. "Das war schon gruselig", erklärt der Bergbesucher hinterher gegenüber den EN. Er habe Angst gehabt, dass jemand getroffen werden könnte. Die Metallteile schlugen allerdings in einem abgesperrten Bereich auf, zu dem die Fahrgäste keinen Zugang haben. Das heißt, es blieb beim Schrecken.

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Bis zum nächsten Vormittag stand das Fahrgeschäft still, die Firma meldete den Vorfall umgehend beim Veranstaltungsbüro der Stadt. Noch am gleichen Tag ließ der Eigentümer eine auf Fahrgeschäfte dieses Typs spezialisierte Wartungsfirma aus Holland kommen. Die bestätigte, was man selbst schon vermutet hatte: Was sich gelöst hatte und heruntergefallen war, war kein sicherheitsrelevantes Bauteil. Es handelte sich um eine Abdeckplatte am Motor. Die Reparatur war für den holländischen Spezialisten dann das wenigste.

Warum sich das Teil überhaupt gelöst hatte, darauf hat auch mehrere Tage danach keiner eine Antwort. Die Firma Dieter Küchenmeister habe das Fahrgeschäft vor zweieinhalb Jahren fabrikneu gekauft, erklärt deren Pressesprecher. Die Abdeckplatte saß da schon an Ort und Stelle und ist kein Bauteil, das beim Aufbau an- und beim Abbau abgeschraubt wird.

Das Fahrgeschäft, so wird von Seiten der Firma Dieter Küchenmeister betont, wurde nach der neuen — besonders strengen — Europanorm gebaut. Die letzte TÜV-Prüfung fand erst Mitte März statt. Damals stand die Apollo 13 in Hamburg, und es wurden keine Mängel festgestellt. Der TÜV prüft Fahrgeschäfte vor und nach dem Aufbau. Im Prüfbuch wird alles genau verzeichnet.

Auf jedem Platz, auf dem ein solches Fahrgeschäft aufgebaut wird, muss es von einer Behörde abgenommen werden — in Erlangen war dies die städtische Bauaufsicht. Sie ließ sich das einwandfreie Prüfbuch zeigen.

Nachdem jetzt das Schraubenfiasko durch die Spezialfirma aufgeklärt wurde, hält den Raumflug der Apollo 13 nichts mehr auf.

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